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Neuer SoCDR-Bericht: CO₂-Entnahme muss deutlich schneller wachsen

Die weltweiten Klimaziele sind ohne einen schnellen Ausbau von Carbon Dioxide Removal (CDR) kaum erreichbar. Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Ausgabe des internationalen Berichts „State of Carbon Dioxide Removal“ (SoCDR), an dem auch Forschende aus dem CDRterra-Verbund beteiligt waren. Demnach klafft bis 2050 eine Lücke von mehr als 5 Milliarden Tonnen CO₂ pro Jahr zwischen den bisherigen nationalen Zusagen und den Szenarien, die die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen.

Emissionsminderung bleibt zentral

Der Bericht macht deutlich: Emissionsminderungen bleiben die wichtigste Maßnahme im Klimaschutz. Der Großteil der Begrenzung der Erderwärmung muss weiterhin durch die Reduktion von Treibhausgasemissionen erreicht werden. Gleichzeitig wird CO₂-Entnahme nötig sein, um schwer vermeidbare Emissionen auszugleichen und den weiteren Temperaturanstieg zu stoppen, solange weiterhin CO₂ ausgestoßen wird. Da das Risiko einer zeitweisen Überschreitung der Temperaturziele steigt, spielt sie auch in sogenannten Overshoot-Szenarien eine wichtige Rolle.

Laut Bericht würden bereits zehn Jahre Verzögerung beim Klimaschutz die globale Erwärmung um etwa 0,15 Grad Celsius erhöhen und den späteren Bedarf an CO₂-Entnahme zusätzlich steigern.

CO₂-Entnahme weltweit noch stark begrenzt

Derzeit werden weltweit jährlich rund 2,2 Milliarden Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt – fast ausschließlich durch landbasierte Maßnahmen wie Wiederaufforstung und die Wiederherstellung von Ökosystemen. Neue technologische Verfahren, wie direkte CO₂-Abscheidung aus der Luft mit anschließender geologischer Speicherung (Direct Air Carbon Capture and Storage, DACCS) oder beschleunigte Verwitterung (Enhanced Weathering), machen bislang nur etwa 0,1 Prozent der gesamten CO₂-Entnahme aus.

Gleichzeitig wachsen Forschung, Pilotprojekte und Investitionen in diesem Bereich deutlich. Laut Bericht entfallen inzwischen rund drei Prozent der weltweiten Investitionen in Klimatechnologien auf CO₂-Entnahme.

Die Autorinnen und Autoren warnen jedoch davor, sich auf einzelne Verfahren zu verlassen. „Es gibt eine große Spannbreite an Schätzungen darüber, wie viel CO₂-Entnahme einzelne CDR-Methoden leisten können – die konservativeren Potenzialschätzungen liegen für die meisten Methoden bei etwa 1 Milliarde Tonnen CO₂ pro Jahr oder darunter, wenn man belastbarere Studien oder strengere Annahmen bei der Umsetzung berücksichtigt. Daher können wir uns nicht auf eine einzelne Methode verlassen, um die CDR-Lücke zu schließen“, sagt Sabine Fuss vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, Mitautorin des SoCDR-Berichts und Forscherin bei CDRterra.

„Es braucht ein vielfältiges Portfolio an CDR-Methoden mit unterschiedlichen Ansätzen, die an verschiedene Kontexte und geografische Gegebenheiten angepasst sind. Das würde helfen, Flexibilität zu erhalten, Kosten zu senken und Risiken minimal zu halten.“

Zeitfenster bis 2030 entscheidend

Der Bericht betont außerdem, dass die Zeit bis 2030 entscheidend sein wird. Neue CDR-Ansätze müssten deutlich schneller wachsen und zugleich nachweisen, dass sie CO₂ dauerhaft speichern sowie zusätzliche Vorteile etwa für Böden, Ökosysteme oder regionale Wertschöpfung schaffen können.

Gleichzeitig sei das derzeitige CDR-System noch fragil: In den vergangenen Jahren wurden laut Bericht nur etwa 20 Prozent der angekündigten Kapazitäten neuer technologischer CO₂-Entnahme tatsächlich umgesetzt.

Internationale Analyse beleuchtet Potenziale und Grenzen

Der „State of Carbon Dioxide Removal“-Bericht ist eine unabhängige globale Bestandsaufnahme zur CO₂-Entnahme. Beteiligt sind Forschende der University of Oxford, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), des German Institute for International and Security Affairs (SWP), der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, der University of Wisconsin–Madison und der University of Maryland.

Auch Forschende aus dem CDRterra-Verbund haben an der aktuellen Ausgabe mitgewirkt. Der Bericht bündelt den internationalen Forschungsstand zu Potenzialen, Risiken, Kosten und Entwicklungsbedarfen verschiedener CO₂-Entnahmeverfahren und liefert wissenschaftliche Grundlagen für politische und gesellschaftliche Entscheidungen zum Umgang mit CDR.