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Soziale Hürden begrenzen die CO₂-Bindung

Die Studie zeigt, dass rund 75 Prozent des geschätzten globalen CO₂-Bindungspotenzials durch Aufforstung und Wiederaufforstung aufgrund sozialer und institutioneller Hindernisse nur eingeschränkt nutzbar sein könnten. Um diese Herausforderungen zu untersuchen, kombinierten die Forschenden Erkenntnisse aus Fallstudien mit KI-gestützten Analysen globaler Datensätze. Als zentrale Hindernisse identifizierten sie Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landrechte und schwache Verwaltungsstrukturen.

Aufforstung als Beitrag zur CO₂-Entnahme

Wälder entziehen der Atmosphäre durch Photosynthese Kohlendioxid (CO₂) und speichern den Kohlenstoff in Biomasse und Böden. Aufforstung und Wiederaufforstung können deshalb einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ihr Erfolg hängt jedoch nicht allein von geeigneten Flächen ab.

Neue Waldflächen können mit der Landwirtschaft, der Nahrungsmittelproduktion und den Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung konkurrieren. Auch gesicherte Landrechte, eine funktionierende Verwaltung und die langfristige Unterstützung vor Ort sind entscheidend dafür, ob Aufforstungsprojekte dauerhaft bestehen können.

LMU-Studie zeigt globale Hindernisse auf

Eine im Fachjournal One Earth veröffentlichte Studie unter Leitung des LMU-Geographen Wenkai Bao zeigt, dass rund drei Viertel des geschätzten globalen Potenzials zur CO₂-Bindung durch Aufforstung und Wiederaufforstung auf erhebliche soziale und institutionelle Hürden stoßen könnten.

Das Forschungsteam kombinierte Erkenntnisse aus konkreten Fallstudien mit maschinellem Lernen und der Analyse umfangreicher globaler Datensätze. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das theoretische Potenzial zur CO₂-Entnahme nicht automatisch in einen tatsächlich erreichbaren Klimaschutzbeitrag mündet.

Zu den größten Hindernissen gehören Armut, Ernährungsunsicherheit, unsichere Landnutzungsrechte und schwache Verwaltungsstrukturen. Fehlende forstwirtschaftliche Infrastruktur und eine unzureichende Einbindung lokaler Akteure können zudem die Pflege und langfristige Erhaltung der Wälder erschweren. Regional fallen diese Herausforderungen unterschiedlich aus: Während Europa und China vergleichsweise geringeren Hürden gegenüberstehen, sind sie in Afrika sowie in Indien und Brasilien ausgeprägter.

Nachhaltige Aufforstung braucht soziale Verantwortung

Für wirksame Klimaschutzprojekte reicht es nicht aus, möglichst viele Bäume zu pflanzen. Entscheidend ist, die Rechte und Lebensgrundlagen der lokalen Bevölkerung zu schützen und Projekte langfristig wirtschaftlich und institutionell abzusichern. Werden diese Faktoren vernachlässigt, können Aufforstungsmaßnahmen scheitern, Nutzungskonflikte entstehen und weniger CO₂ dauerhaft gebunden werden.

Prof. Dr. Julia Pongratz, Sprecherin von CDRterra und Mitautorin der Studie, unterstreicht die Bedeutung zusätzlicher Maßnahmen zur CO₂-Entnahme, um die Klimaziele zu erreichen. Aufforstung kann dabei eine wichtige Rolle spielen, muss jedoch durch weitere Klimaschutzmaßnahmen und die Entwicklung technologischer Verfahren zur CO₂-Entnahme ergänzt werden.

Die Studie zeigt, dass das tatsächliche CO₂-Bindungspotenzial von Wäldern wesentlich von sozialen, wirtschaftlichen und institutionellen Rahmenbedingungen abhängt. Nachhaltige Aufforstung muss deshalb ökologische Ziele mit sozialer Verantwortung verbinden und Teil einer umfassenden Klimaschutzstrategie sein.

Sozioökonomisch begrenztes Potenzial der CO₂-Entnahme durch Aufforstung und Wiederaufforstung